Wolfgang Prescher
Eine 6 x 9 Rollfilmkamera, welche den Krieg überlebt hatte, erweckte mein Interesse als sich das Leben zu normalisieren begann.
Sie gehörte einer Tante, welche mich aber nicht in der Bedienung unterweisen konnte. Mit dem Spruch: Sonne lacht – Blende 8 und der Kunst des Fotolabors entstanden erste brauchbare Bilder, bis ich mir einen optischen Belichtungsmesser zulegen konnte oder die Belichtungszeit mit einer drehbaren Tabelle ermittelte. Störend war allerdings, dass ich das gute Stück nach jedem Gebrauch wieder abliefern musste, weshalb mir mein Vater in den 50 Jahren einen eigenen Fotoapparat kaufte. Weil dieser sich aber besser mit Malerei auskannte als mit Fotografieren, meinte er eine Pouva Start würde es verrichten.
Eines Tages bot mir ein Bekannter eine alte Plattenkamera an mit einer Kassette für Filmpacks. Sie hatte immerhin einen Compur Verschluss, doppelten Auszug für Nahaufnahmen und einen Sportsucher in Gestalt eines Drahtrahmens. Sie benutzte ich bis in den 60er Jahren die Produktion der Filmpacks eingestellt wurde. Mittlerweile hatte ich genügend eigenes Geld verdient um mir eine Spiegelreflex Exa 1a kaufen zu können. Hatte ich bisher alles Filmmaterial zum Fotografen gebracht, so erklärte mir nun ein alter Oberschulrektor wie man das selbst machen kann und schenkte mir einen ganz alten Vergrößerungsapparat. Ein damaliger Lehrling zeigte mir dann noch wie er abends in der verdunkelten Küche mit ganz einfachen Mitteln Bilder macht, wobei die Lampe durch überstülpen eines rot umwickelten Marmeladenglases zur Duka–Leuchte wurde.

Bei einem von der Zeitung ausgeschriebenen Fotowettbewerb wurde ein erstes Bild von mir gedruckt, dem später weitere folgten welche mit 10 Mark vergütet wurden und 1964 den Kauf einer Exakta mit Teleobjektiv erleichterten. Anlaß war eine geplante Reise mit dem Urlauberschiff Völkerfreundschaft und die Tatsache, dass man z.B. Istanbul und andere Städte nur vom Wasser aus sehen und fotografieren konnte. Nun hatte ich die Möglichkeit eine Kamera mit SW Film und eine mit Diafilm zu laden und die Dias auch anderen Menschen zu zeigen. Gelegenheit dazu bot sich in Ferienheimen der Gewerkschaft, in welchen ich über mehrere Jahre verschiedenen Diavorträge gehalten habe. Als nach der Einheit die Ferienheime verschwanden machte ich auch keine Dias mehr.
Durch Mitarbeit in einem Fotoklub konnte ich mir noch einiges Wissen aneignen aber für künstlerische Betätigung hat die Zeit nie ausgereicht. Da ich wider Erwarten auch nach der Wiedervereinigung oft Gelegenheit hatte für die Zeitung zu fotografieren erwiesen sich Exakta und veraltetes Blitzgerät als ungeeignet und es wurde noch mal in modernere Technik investiert. Nun im Alter wird nur noch zum eigenen Spaß fotografiert und als mir mein Sohn einen Computer überließ reizte es eben, sich auch noch etwas im Digitalen Bereich zu versuchen.
Zur Bildergalerie von Wolfgang Prescher gelangen Sie hier!